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Magister ante porte –
Bericht des Bootswartes 2008
von
Michael Rosemann
, Bootswart
Endlich is des Jahr 2008 rum. Anstrengend genug für eueren 1. Bootswart.
Gesellenprüfung, Grundausbildung (in der Saufabteilung) bei den Gebirgsjägern,
Trainer sein und zwischendrin immer den Bootsbestand auf einem hohen
Niveau halten. Auch wenn’s manchmal zum ausflippen war, weil irgendwas
nicht so wollte wie ich, hab ich es doch eigentlich geschafft, den relativ
hohen Ansprüchen gerecht zu werden. Ich meine damit nicht nur die Qualität,
sondern auch die kurzen Liegezeiten der Boote. In anderen Vereinen können
Wochen vergehen, bis sich mal jemand dem verletzten Schifflein widmet. Bei
uns ist ein Boot selten länger als vier Tage gesperrt gewesen, ausgenommen
von den großen Reparaturen und Überholungen. Auch bin ich stets bemüht
einen kleinen Schaden, der eigentlich keine Einschränkung für den
Ruderbetrieb wäre, trotzdem schnellst möglichst zu beheben, bevor ein
großer Schaden draus wird. Wartung eben. Treu unserm Motto: “Angriff
ist die beste Verteidigung!“
So
wurde unterm Strich fast mehr Zeit in die Wartung, als in Reparaturen
gesteckt. Meist unbemerkt, weil das eben nur meist kleine Arbeiten sind.
Außerdem
sind wir wieder der autarken Bootsmeisterei ein Stück näher gerückt.
Das soll heißen: Wir werden immer unabhängiger von großen Bootswerften.
Zwar kommen wir um den Nachschub von Materialien nicht herum, doch können
wir viele Dinge kostengünstiger durch ortsnahe Firmen erhalten. Dabei
soll das Vitamin B, die Beziehungen, schon oft mithelfen. Harze, Härter,
Lacke, Glasfaser- und
Karbonmatten, sowie guter Rat ist am besten beim Mader zu holen. Für
alles was aus Metall, und damit großer Belastung ausgesetzt ist, haben
wir einige Metallfacharbeiter im Verein. Dabei passt die Qualität auch,
wenn sie nicht sogar oft besser ist. Und was aus Holz ist? So ein Zufall,
dass euer 1. Bootswart Schreiner gelernt hat. Und wenn’s bissl
kompliziert wird, ist’s zum nächsten Schreiner auch nicht so weit.
Aber
jetzt will ich mal etwas konkreter werden, damit ihr auch mal Ahnung
bekommt, von was ich schon die ganze Zeit predige.
Irgendwann
eines schönen Sommertages, vor langer, langer Zeit (So ungefähr vor
einem dreiviertel Jahr), hegten einige Ruderer den Gedanken einmal zu den
Wurzeln des modernen Rudersports zurück zu kehren. Nämlich zum
Riemenrudern. Eigentlich hatten wir ja sogar irgendwo, mittlerweile schon
ganz verstaubt, einen Riemenvierer untergebracht. Der wurde Anno 2006,
also schon zwei Jahre zuvor, beim Nachbarn im Heuboden unter den Balken
aufgehängt, anfangs „nur für oan, zwoa Monat’“ um für den
unvergessenen Achter Platz zu machen. Aber als der Achter wieder weg war
und der Riemenvierer (er trägt den Namen „Duisburg“) noch nicht
wieder von der Decke abgehangen wurde, bemerkte der Vorstand also gleich,
dass da ein freier Bootsplatz war. Und dieser freie Platz wurde sofort mit
einem unbedingt benötigten neuen Gigboot belegt. So kam die (Jawohl
„die“! Laut internationaler Regelung sind alle Boote femininen
Geschlechts) gute, alte „Duisburg“ in Vergessenheit. Bis sie wieder
ausgegraben wurde. Nur hatten wir erst mal keinen Platz (wie immer,
typisch für uns). So wurde kurzer Hand *schluchz* mein über alles
geliebter „Bodensee“ ausgelagert (Mein Schatz, I vergess di scho ned).
So,
endlich war der Riemenvierer wieder da *Hurra, de Gams*. Dieser musste
erst mal wieder flott gemacht
werden. Passende Rollsitze suchen (warum haben wir eigentlich noch so
viele alte Rollsitze. Bei Bedarf an den Bootswart wenden), aufriggern (aus
lauter Jux und Tollerei hab Ich den italienischen Riggerstil bevorzugt),
Luftkastenfolie reparieren und Steuer einstellen. Und schon konnte es
losgehen.
Themawechsel:
Das
Ruderjahr war noch nicht zu alt, da kamen schon die ersten Mitglieder
weinend auf mich zu, ihnen wär da ein kleines Unglück passiert. Das war
der Startschuss zu so manchen Bootsnotoperationen. Sei es jetzt gewesen,
dass ein Rollschienenkeil in „Nessi“ gebrochen war, oder in „Oh nass
is“ alte Risse wieder Wasser in das Boot strömen ließen. Dabei sollte
der Wassereinbruch jedoch noch relativ gering sein, betrachtete man den
Doppelzweier „Hagen“. Dieses Boot war von seiner Berufung als
Wassersportgerät so überzeugt, dass es ständig versuchte, den
Wasserstand im See und im Boot auszugleichen. Allerdings zur
Unzufriedenheit der darin sitzenden Ruderer. Da musste ich mich oft über
den alten Zweier hermachen um ihn wieder dicht zu kriegen. Vier bis fünf
Eingriffe waren nötig um endlich die Nudelsiebmentalität des Bootes zu
bremsen. Dabei kamen Unmengen an Matten, Harz und Nerven zum Einsatz. Und
irgendwelche Ruderer von der Spezialeinheit für besonders besch… Unfälle
haben es auch mal geschafft, das hölzerne Waschbrett fast komplett runter
zu brechen. So, und jetzt bist du gefragt. Wie immer.
Über
den schwersten Unfall in diesem Jahr hab Ich mich allerdings bis jetzt
relativ wenig hergemacht. Das war zweifelsfrei ein Unfall mit dem Bootshänger
(an dem ich diesmal nicht beteiligt war). Dabei hat es ein hinter dem
Bayerntransport fahrender Autofahrer geschafft auf den Sammeltransport,
der auf dem Weg zur deutschen Jugendmeisterschaft war, aufzufahren. Dabei
wurde die Lichtleiste des Hängers nach oben geschlagen und hat unseren
Doppelzweier „Rennbloda“ hervorragend erwischt. Dadurch knickte der
Bug an der Sollbruchstelle ab und fügte dem Boot einen fast durchgehenden
Bruch zu. Was dann folgte war mehr Schreibkram. Schadensaufnahme, Meldung,
Gutachten in der Werft. Das alles brachte uns nach ewigem Hin und Her
einen Schadensersatz ein, der für ein neues Boot verwendet wurde. Zwar
soll die beschädigte „Rennbloda“ repariert werden, aber wann und von
wem, das steht noch in den Sternen.
Ich
hab mich in der Zwischenzeit mal mit dem Doppelvierer „Moorhuhn“ beschäftigt.
Durch die starke Beanspruchung der letzten Jahre durch unzählige
Kindermannschaften waren die Stemmbrettrasterschienen stark in
Mitleidenschaft gezogen. Erst wurden alle alten Schienen heraus genommen,
alles was am Boot beschädigt war, repariert und schließlich die neuen
Schienen wieder eingebaut. Und bis man schaut, sind zwei Nachmittage rum.
Im
August war mal wieder eine rießige Aktion am laufen. Zum einen wurden
alle 45 Paar Skulls und Riemen neu lackiert. Dabei ging schon fast eine
Woche drauf.
Gleichzeitig
wurde der Einer „Mao“ komplett überholt. Eingedrückte Stellen im
Bugluftkasten, entstanden durch Feuchtigkeit, wurden kurzerhand
herausgeschnitten und die Bootshaut von innen beginnend wieder aufgebaut.
Als schließlich irgendwann alle notwendigen Reparaturen ausgeführt
waren, gings an die neue Farbgebung. Dabei bin ich auf die glorreiche
Erkenntnis gekommen, dass, je weniger andere Leute man befragt, auch die
Diskussionen dementsprechend
ausbleiben. Also machte ich mich ans Werk. Erst mal alles weiß. Und dann
kam die wechselnde orange Farbgebung. Dabei hab ich mir – Gott behüte -
einmal von einer Frau drein reden lassen. Und schon gabs einen fast
neuen Einer.
Da
war das Jahr schon wieder fast rum, da wurde ich wiederum beweint, weil
auf den Big-Blades so schreckliche Griffe drauf sind. Also hab Ich mir
halt mal schnell die Mühe gemacht und hab 16 Griffe ausgewechselt. Die
neuen drauf zu bringen war ja nicht so schwer, aber die alten heil runter,
das hat dann doch bisschen angestrengt.
Wo
ich nicht beweint wurde, anscheinend gibt’s bei uns keine Nostalgiker,
das waren die alten Holzriemen. Die wurden erstmal aus der Halle raus
geschmissen und dann offiziell verheizt (offiziell!!!).
Und
wir haben noch ein bisschen mehr raus geschmissen. Der Einer
„Virginia“ wurde im Sommer noch verkauft. Und die beiden Zweier
„Hagen“ und „Bad Honnef“ kommen noch vor Beginn der neuen Saison
nach Rosenheim. Und für den alten Doppelvierer „Neuss“ gab es auch
keine Rettung mehr.
Dafür
wurden, um die Lücken zu schließen und die Halle wieder mehr als voll zu
machen, zwei gebrauchte Zweier gekauft. Einer davon soll der Ersatz für
den unfallträchtigen Rennzweier „Rennbloda“ sein. Und der zweite,
eine Anschaffung via Albert und Sebastian, kann für die Ruderer der
Sechs-Seen Regatta zur Verfügung gestellt werden. Außerdem haben wir
Dank Ernst Schweitzer einen
sehr gut erhaltenen Doppelvierer zur Unterstützung für „Oh nass is“
erhalten. Aber die neuen Boote könnt ihr euch ja alle selbst ansehen.
Noch
ein neues Boot könnt ihr euch ansehen. Das wahrscheinlich schnellste, das
jetzt im Bootshaus liegt. EIN NEUES MOTORBOOT!
Wurde aber ehrlich gesagt auch Zeit. Das alte Motorboot war einfach
schon zu aufgearbeitet, nicht nur um damit vernünftig trainieren zu können,
sondern es konnte auch die nötige Sicherheit nicht mehr gewährleistet
werden. Aber jetzt können wir wieder in kürzester Zeit retten, bergen,
schleppen.
Tja,
das war 2008. Eigentlich doch a bissl Schade, dass es rum is. Aber naja.
Es kommt ja wieder ein neues Jahr mit neuen Herausforderungen für euren
Bootswart.
Bevor
ich’s vergesse: Natürlich hab Ich nicht alles allein machen können. Da
hab Ich schon so manches fleißiges Händchen gehabt. Danke an Korbi,
Matze, Andreas, Moritz, Tami, Laura, Ly, Melli, Kili, Basil, Birgit,
Monika, Alois und alle andern die mir irgend wann mal geholfen haben, die
ich jetz aber vergessen hab. Außerdem wieder ein großes Dankeschön an
Thomas Maier für unsere kleine, aber stolze„Bootswerft“ und für
alles was klein ist, fährt und mit dem man allerhand Wagen rumziehen
kann. Noch ein Dankeschön an den Vorstand, der mir immer alles genehmigt
hat, wenn Ich was gebraucht hab. Und nicht zu vergessen, mein ganz
besonders geliebter Schützling, die Leonie.
So
jetz hab I aber alles gesagt. Ansatzweise.
Für
die neue Saison wünsch ich uns wieder eine nahezu unfallfreie Zeit,
allzeit gute Fahrt und immer eine Hand breit Wasser unterm Kiel.
In
diesem Sinne ein dreifaches „Flotte – Marsch“
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